Giro de Adriatico – Etappe 1: Von Senj nach Posedarje

Manchmal muss man nur im Archiv kramen, um längst vergessene Schätze auszugraben. Dieser Text – und weitere Texte werden folgen – entstand nach einer Radtour im Jahr 2009.

Es ist lange her, aber das Geschriebene bleibt, denn die Landschaft in den befahrenen Ländern ändert sich nicht. Oder zumindest nur geringfügig. Passend ist es auch deshalb, weil die Tour damals im September stattgefunden hat. Eine ideale Zeit, um den Balkan mit dem Rad zu erkunden.

Mittwoch, der 2. September 2009 gegen vier Uhr morgens, in der südlichsten Stadt Österreichs ist es stockdunkel: Zwei Autos sind voll gepackt für das mit Sehnsucht erwartete Abenteuer namens „Giro de Adriatico“, einer Art Tour de France für Arme…

Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Albanien per Mountainbike zu erkunden, ist das erklärte Ziel von sechs mehr oder weniger Radsportverrückten und einem Begleitfahrzeug samt Fahrer. Knapp 1.000 Kilometer in dreizehn Tagen stehen auf dem Programm.

Vom kroatischen Senj aus starten wir das seit knapp einem Jahr geplante Projekt. Nun gibt es kein Zurück mehr. Die Tage der Wahrheit beginnen. Zweifel schleichen sich ins Hirn. „Habe ich mich optimal vorbereitet, werde ich durchkommen?“

Die erste Etappe führt uns zunächst knapp 50 Kilometer die Küstenstraße entlang. Früher, als die Autobahn im Hinterland noch nicht gebaut war, wäre eine Radtour hier nur unter ständiger Lebensgefahr zu absolvieren gewesen. Jetzt ist der Verkehr vor allem unter der Woche auch für Radfahrer erträglich, die „Autocesta“ sorgt für die nötige Entlastung.

Schon nach wenigen Kilometern wird uns klar, diese Tour wird der absolute Traum. Die Ausblicke auf die vor gelagerten Inseln Krk, Rab und Pag, auf die zahlreichen Buchten mit türkisfarbenem Wasser, bestätigen unsere Vorfreude und lassen alle vorher genannten Zweifel vergessen. Dazu die herrliche Meeresluft.

Von Prizna setzen wir mit der Fähre auf die Insel Pag über. Wir fühlen uns ob der Felslandschaft in ein amerikanisches Roadmovie in Arizona oder Texas versetzt. Nach der kurzen Pause auf dem Schiff wartet nun der erste Anstieg auf uns, bei gepflegten 37 Grad im Schatten. Das Blöde ist nur: Schatten gibt es hier keinen. In der prallen Sonne mit geschätzten 60 Grad geht’s nach oben. Eine Art aktiver Saunabesuch.

„Brutto für netto“

Am Meer ist das mit den Höhenmetern so eine Sache: „Alles ist brutto für netto“. Diese Phrase wird zu einer der wichtigsten Motivationshilfen in den kommenden Tagen. Es ist ganz einfach: Das was man im Laufe einer Etappe bergauf fährt, muss, wenn das Ziel am Meer liegt, irgendwann auch wieder bergab gefahren werden. Heißt auf Deutsch: Irgendwann wird man für die Qualen belohnt, indem man die Beine ein bisschen hochnehmen kann.

Pause machen wir im Hauptort der Insel Pag – in Pag. Über eine schöne Brücke geht es in die Altstadt. Die Insel selbst hat eine Länge von rund 58 Kilometern. Die Breite schwankt zwischen zwei und zehn Kilometern. Zum Radfahren ist diese Insel ideal. Vor allem im Herbst ist auch weniger los. Das heißt, weniger Autos sind unterwegs, das ergibt mehr Fahrgenuss.

Posedarje ist das erste Ziel, das wir nach knapp 126 Kilometern erreichen. Der kleine Ort, der über die kroatischen Grenzen hinaus für seinen – mit heimischen Sträuchern und Hölzern geräucherten – Schinken bekannt ist, liegt am Festland in der Gespanschaft Zadar. Die Insel Pag verlassen wir zuvor über eine imposante Brücke.

Wir nächtigen im Hotel Lucija, einer kleinen, aber feinen Absteige. Direkter Zugang zum Meer inbegriffen. Der erste Sprung ins kühle Nass nach der Hitzeschlacht ist ein Genuss. Am Abend wird im hoteleigenen Restaurant geschlemmt. Die Palette reicht vom herzhaften Schinken bis hin zu allen erdenklichen Meeresfrüchten. Die 5.000 verbrannten Kalorien müssen dem Körper auch wieder zugeführt werden.

Auch deshalb, weil am nächsten Tag die Kninska Krajina mit dem Tagesziel Knin wartet.

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