Hans Theessink und Terry Evans: Große Weltmusik am Wörthersee

Musik verbindet die Welt. In Klagenfurt gibt es dafür seit einigen Jahren einen Ort, an dem genau dieser Satz gelebt wird: Die Freiluftbühne in Minimundus.

Das Musik-Festival „Music around the world“ bringt jeden Sommer immer wieder große heimische und internationale Künstler in die Kärntner Landeshauptstadt.

Als Hans Theessink und Terry Evans die Bühne in Minimundus betreten und ihre Gitarren nur kurz anzupfen und zu singen beginnen, wird sofort klar: Das wird wieder so ein unvergessliches Konzert. 

Theessink und Evans sind gerade auf ihrer True & Blue Europa Tournee. Über 20 Stationen sind vorgesehen. Klagenfurt ist nach Wien und Graz der dritte Auftritt. 2015 wurde das Live-Album dazu veröffentlicht, das in Wien aufgenommen wurde. Das ist stimmig.

Charisma und Blues treffen auf Charisma und Blues

Theessink, gebürtiger Niederländer,  der seit vielen Jahren mit seiner Frau Milica in Wien lebt, sorgt mit seinem Charisma und seinen launigen Ansagen von Beginn an für eine wunderbare Atmosphäre. Terry Evans ist sein kongenialer Partner, der in Sachen Charisma Theessink auf gleicher Höhe begegnet.

Der US-Amerikaner, mittlerweile 80 Jahre alt, lässt dieses Phänomen erkennen, das man auch vom Theater kennt: Die Bühne bietet eine Verjüngungskur.

Die Freiheitsstatue und der Natchez-Raddampfer nebeneinander. Das nennt man die kleine Welt am Wörthersee.
Die Freiheitsstatue und der Natchez-Raddampfer. Das nennt man die kleine Welt am Wörthersee.

Evans, geboren in Vicksburg Mississippi , spricht aus, dass nicht mehr alles so schnell geht: „Still growing, but moving slow!“

Auf der Bühne ist davon nichts zu merken, die Freude an der Musik und dem gemeinsamen Auftritt  mit Hans Theessink lassen das Alter komplett vergessen.

Theessinks Song „Vicksburg is my home“ passt da perfekt dazu und ist einer der vielen Höhepunkte, die dieser Konzertabend liefert. Aber: Eigentlich ist das ganze Konzert ein Höhepunkt…

Die Blues- und Rootsmusik, die beide auf die Bühne zaubern, ist mit einem Wort umschrieben: Wunderschön. Wenn man die Augen schließt, kommt man ins Träumen und fährt mit dem Raddampfer „Natchez“ auf dem Mississippi.

Kann das Zufall sein, dass dieser Raddampfer Teil von Minimundus ist und genau 15 Meter Luftlinie von der Bühne entfernt vor Anker liegt? Und daneben steht gleich die Freiheitsstatue. Ein Bild mit Symbolkraft.

1992 haben sich Theessink und Evans kennen gelernt und seither immer wieder gemeinsam Konzerte gegeben. Immer wieder ist lustig zu beobachten, dass Theessink mit dem Publikum spricht und Evans plötzlich fragt: „Is he talkin‘ bout me?“

Herrlich ist die Anekdote, als Theessink zum ersten Mal Slide-Gitarren-Ikone und Produzent Ry Cooder im Studio für geplante Aufnahmen traf und ihn mit einem „nordeuropäischen festen Händedruck“ begrüßte, worauf Cooder sein Gesicht verzog. Und Theessink in diesem Moment nur dachte: „Die Session is im Oasch!“ – und das erzählt in einer Mischung aus Wiener Dialekt und niederländischem Akzent. 

„Mother Earth“ regt zum Nachdenken an. Wilson Picketts – „Don’t Let The Green Grass Fool You“ wird in einer wunderbaren Blues-Version dargebracht. Hier singen und spielen die beiden Protagonisten den Blues nicht, sie leben ihn.

Lange im Hirn und in den Ohren wird „Shelter From The Storm“ weiter schwingen. Die sonore und tiefere Stimme von Theessink und die höhere hinein gesungene Stimme von Evans ergeben musikalische Magie. Hier wird es schwer, Worte zu finden. Die Musik spricht für sich.

Was Hans Theessink auch sympathisch macht, ist seine Art, seine Werke anzupreisen. Seine Frau Milica betreut den bald 70-Jährigen in Sachen Management und Merchandising. Theessink leitet die Pause ein, in dem er auf seine Alben auf dem Verkaufstand neben der Bühne hinweist und den Titel „I Need Money“ – hier in einer Liveversion vom Konzert im Klagenfurter Volxhaus –  gemeinsam mit seinem Partner hinausschmettert.

Musik rund um die Welt. Die kleine, aber feine Bühne in Minimundus.

Ja, sogar die Pause ist bei Theessink-Konzerten ein Ereignis. Die Fans bekommen alle Alben, egal ob CD oder Vinyl, mit persönlicher Widmung signiert. Dieses Mal auch von Terry Evans. Und so nebenbei nehmen sie sich auch noch Zeit für Fotos.

Auch nach der Pause erlebt man tiefes Südstaaten-Feeling. Die Musik berührt und reißt mit. Leider wirkt das Klagenfurter Publikum an diesem Abend etwas unterkühlt, vermutlich wegen der doch niedrigen Temperatur an diesem Sommerabend.

Immer wieder werden die Zuhörer von Theessink und Evans zum Mitsingen und Mitklatschen animiert. Zumindest singen trauen sich nur wenige, dabei heißt es doch immer: Zwei Kärntner reichen für einen Gesangsverein.

Standing Ovations am Ende

Am Ende bei der Hommage an den im März 2017 verstorbenen Pionier des Rock ’n’ Roll – Chuck Berry – und dessen Maybellene ist das Publikum dann doch nicht mehr zu halten. Standing Ovations begleiten die Zugaben.

Für herzliches Lachen sorgt eine letzte Anekdote. Theessink spielte vor längerer Zeit in Vorarlberg, den Arlbergtunnel gab es noch nicht. Am nächsten Tag war ein Konzert in Klagenfurt angesetzt. Sein damaliger Manager meinte: „Fahr früh weg, es schneit“.

Theessink fuhr mit seinem holländischen VW-Bus durch den österreichischen Winter, ohne je etwas von Winterreifen gehört zu haben. Um 22:30 Uhr kam er in Klagenfurt an, das Konzert war noch dazu grottenschlecht. Lange wurde er in Kärnten nicht mehr gebucht. Umso mehr freut es ihn, dass er heute wieder sehr gefragt ist in Kärnten.

Apropos gefragt: Hans Theessink tritt am 19. Oktober erneut in Klagenfurt, dieses Mal solo im Eboardmuseum, auf. Nur so als Empfehlung.

Festzuhalten bleibt für Hans Theessink und Terry Evans: Das war Weltmusik in der kleinen Welt am Wörthersee.

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