Giro de Adriatico – Etappe 7: Kotor ist einfach ein Traum

Tag sieben des Giro de Adriatico beginnt, wie alle sechs Tage zuvor begonnen haben: Das Wetter ist herrlich. Strahlend blauer Himmel. Wir fahren an der Altstadt vorbei und lassen Dubrovnik hinter uns.

Auf der alten Straße radeln wir leicht bergauf und haben so ein traumhaften Ausblick auf die „Perle der Adria.“ Nach einigen Kilometern an der Küste entlang und beim Flughafen Dubrovnik vorbei, erreichen wir das dritte Land unserer Tour: Montenegro.

Montenegro bedeutet wörtlich übersetzt „Schwarzer Berg“, während der Landesname Crna Gora mit „schwarzes Gebirge“, „schwarzes bewaldetes Gebirge“ oder „schwarzer Wald“ übersetzt werden kann.

Die internationale Bezeichnung Montenegro stammt nicht aus dem Italienischen − der Name müsste sonst Montenero lauten − sondern aus dem Venetischen („montagna negra“). Im Österreich-Ungarn des 19. Jahrhunderts gab’s für dieses Fleckchen Erde auch die Bezeichnung „Schwarzenberg“.

Der Balkanstaat ist mit etwa 672.000 Einwohnern (Volkszählung 2003: 620.145) und einer Fläche von 13.812 km² einer der kleineren Staaten Europas. Nach dem Grenzübertritt können wir die Beine ein wenig hochnehmen, es geht zunächst bergab Richtung Herceg Novi.

Die knapp 13.000 Einwohner zählende Stadt im Westen Montenegros liegt am Eingang zur Bucht von Kotor. Der gleichnamige Ort am Ende der Bucht ist unser Tagesziel. Nachdem wir Herceg Novi verlassen haben, radeln wir die letzten 45 Kilometer auf einer wunderschönen Strecke der Bucht entlang. Die auf Landkarten und Satellitenaufnahmen wie ein Schmetterling aussehende Bucht ist der einzige Fjord in Südeuropa.

Die vielen Sinneseindrücke lassen die Stramplerei völlig leicht erscheinen.

An der strategisch überaus günstig gelegenen und über 1.000 Meter tief in die umgebenden Karst-Gebirge von Orjen und Lovćen eingeschnittenen Bucht, die auch vor orkanartigen Bora-Winterstürmen gut geschützt und im ansonsten wasserlosen Karstgebiet durch zahlreiche, stark schüttende Karstquellen auch naturräumlich begünstigt ist, sind seit der Antike bedeutende Städte als Kultur- und Handelszentrum entstanden, unter denen heute insbesondere die namensgebende Stadt Kotor im innersten Winkel der Bucht hervorsticht.

Risan als ältester Ort der Bucht ist eine illyrisch-griechische Gründung in dem sich noch Reste des Forums und spätantiker Villen finden. Römische Gründungen sind Kotor und Rose, im Mittelalter wurde Herceg Novi gegründet und aus der Venezianischen Epoche stammenden Dobrota, Perast und Tivat, wo sich auch ein internationaler Flughafen befindet.

Neben den Seestädten sind zahlreiche religiöse Gründungen in Form von Klöstern an den Ufern der Bucht entstanden. Damit ist die Bucht eine der am dichtesten mit religiösen Kultstätten ausgestatteten Regionen am Mittelmeer.

Wallfahrtsorte sind das Benediktiner-Kloster Sveti Đorđe (der heilige Georg, Namensgeber für den Verfasser dieser Zeilen), das orthodoxe Kloster Savina sowie die Nemanjiden-Gründung des Klosters des heiligen Michaels auf der Blumeninsel. Bedeutende Stadtkirchen finden sich in Kotor, Perast, Herceg Novi und Risan. Daneben gibt es zahlreiche in Naturstein erbaute Dorfkirchen in den Gebirgsdörfern der umgebenden Gebirge, insbesondere in der Krivošije.

Nach der Ortschaft Bijela hätten wir in Kamenari die Möglichkeit, den Weg nach Kotor um rund 30 Kilometer abzukürzen. Der Reiseleiter hatte aber schon im Vorhinein ausgegeben, dass das sicher nicht der Fall sein wird. Wir sind ihm für seine Planungen dankbar, die Tour durch die Bucht ist wunderbar.

In Kotor, genauer in Dobrota, nächtigen wir im „Hotel Marija II“. Eine sehr feine Anlage mit schönen, geräumigen Appartements. Ideal für eine größere Gruppe. Zum Meer sind es nur ein paar Meter. Bevor wir die Altstadt von Kotor genauer unter die Lupe nehmen, lassen wir die beeindruckende Fahrt durch die Bucht in einer Strandbar bei ein paar Bieren Revue passieren. Die verbrauchten Kalorien, eh schon wissen…

Die Altstadt, ebenso wie Dubrovnik 1979 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, wird von einer imposanten Stadtmauer umrahmt. Bei Nacht sind die an den Hängen der Bucht, sich über 4,5 Kilometer ziehenden, bis zu 15 Meter breiten und 20 Meter hohen Verteidigungsanlagen über der Stadt beleuchtet, was für ein Staunen in unserer Runde sorgt.

Kontrastprogramm zu Dubrovnik

Nach einem kurzen Flanieren durch die engen Gassen finden wir ein nettes Lokal in der Altstadt, in dem wir uns zum Abendmahl, aber nicht zum Letzten, niederlassen. Eine überaus charmante weibliche Bedienung sollte uns den ganzen Abend über mit den wunderbarsten Fischgerichten, Schinken, Steaks verwöhnen. Welch ein Kontrastprogramm zum Kabarett in Dubrovnik.

Wir beschließen, gleich einen Tisch für unseren nächsten Besuch drei Tage später – ja Kotor steht bei unserem Giro de Adriatico zweimal auf dem Programm – zu reservieren. Danach hauen wir uns ins Nachtleben von Kotor, einige feine Bars mit noch feineren Cocktails bieten einen idealen Rahmen, einen schönen Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

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Giro de Adriatico – Etappe 5: Es Hvar so wunderschön!

Giro de Adriatico – Etappe 6: Kulinarisches Kabarett in Dubrovnik

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