Amore infinito: Der Giro glüht auf den Ätna

Er ist und bleibt eine endlose Liebe: der Giro d’Italia. Zum 100. Mal wird dieses Drama  in 21. Akten – im Radjargon einfach Etappen genannt – in unserem südlichen Nachbarland aufgeführt.

Der Start auf Sardinien brachte aus österreichischer Sicht gleich auf dem ersten Teilabschnitt Historisches. Zum ersten Mal gewann ein Österreicher – Lukas  Pöstlberger – eine Etappe. Ein Eintrag in die „rad-weiß-roten“ Geschichtsbücher ist dem Oberösterreicher damit sicher.

Der Giro gilt in der internationalen Radsportszene und darüber hinaus als zweitwichtigstes Etappen-Rennen nach der Tour de France. Aber fragen sie einmal eine Italienerin oder einen Italiener, ob sie oder er das auch so sehen… die Reaktionen könnten emotional ausfallen.

Radsport und Italien, eine fast religiöse Verbindung. Wer schon mal auf dem Stiefel Radgefahren ist, kennt diese Verehrung für die Pedalisti aus eigener Erfahrung. Im Gegensatz zu Österreich, wo dich Autofahrer beim Überholen ohne Rücksicht auf Verluste schneiden oder den Stinkefinger zeigen, kann es zwar auch in Italien vorkommen, dass die Autofahrer hupen, aber nicht aus Verärgerung, sondern aus Freude. Überholt wird man nur, wenn es der Gegenverkehr auch wirklich zulässt. Da kann es schon passieren, dass man eine Viertelstunde in „Fan“-Begleitung fährt.

„Um in Italien wahrgenommen zu werden, musst du den Giro gewinnen.“ Enrico Maggioni, Masseur

Und gehen Sie einmal mit einem Cipollini-Trikot in der Toskana in eine typische kleine italienische Bar und versuchen Sie, den Cappuccino oder Espresso zu bezahlen, wie es der radsportaffine Onkel gerne erzählt: „Cipollini zahlt hier nichts für einen Kaffee“…

Was hat das mit dem Giro zu tun? Alles! Der Giro ist der „religiöse“ Höhepunkt des Jahres aus Sicht der rad(sport)verrückten Italiener. Und nun zum 100. Mal – Amore infinito. Die Etappen-Orte putzen sich heraus, Rosa ist die dominierende Farbe für über drei Wochen im Mai. Das Maglia Rosa (rosa Trikot) ist wieder das begehrte Objekt der Radprofis. Wer es am Ende in Mailand tragen darf, darf sich auch Gesamtsieger nennen.

Eine Straße auf dem Lavasand des Ätnas. Für die Radprofis das Büro.

Nach drei Etappen auf Sardinien geht es nun nach Sizilien. Der Tanz oder besser der Ritt auf dem Vulkan steht an. In der 4. Etappe wartet eine Bergankunft auf dem Ätna. Das Ziel liegt beim 1.892 Meter hochgelegenen Rifugio Sapienza.

Das ergibt wieder: Atemberaubende Bilder, spannende Attacken, Drama pur. Danach folgt noch eine Etappe nach Messina, ehe der Giro das Festland erreicht und gegen Norden zieht.

Im TV wird das Spektakel von vielen Stationen gezeigt, unter anderen von Eurosport begleitet. Karsten Migels und Jean-Claude Leclercq sowie Marc Rohde versprühen in den mit wunderbaren Bildern garnierten Kommentaren Radsport-Feeling der Extraklasse. Hier riecht man beinahe den Gummi der schmalen Reifen, das Kettenfett und den Schweiß, den die Profis auf die Straßen tropfen lassen.

Ja, die Straßen, sie sind neben den Radprofis die eigentlichen Stars des Giro – natürlich auch der Tour de France und der Eintages-Klassiker. Die Streckenplaner sind auch für 2017 – wie in jedem Jahr – äußerst kreativ gewesen. 3.616,4 Kilometer (Die Etappen zum Schmökern) gespickt mit legendären Anstiegen wie Blockhaus, Mortirolo, Stelvio und Pordoi treiben den Puls auch beim Zuschauen in die Höhe. Amore infinito eben.

Giro zum Mitverfolgen:

Infos zum Giro d’Italia auf der offiziellen Website in englischer Sprache

Wer das Ganze authentischer mag, in italienischer Sprache

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