Wanderung: Monte Festa für die Sinne mit Meerblick

Ein Tagesausflug nach Italien in die Carnia in dieser schwierigen Zeit, in der wir derzeit leben, ist nicht nur möglich. Er ist vor allem eins: Wunderschön.

Wie vor jeder Reise oder jedem Ausflug sollte man sich über das jeweilige Ziel und die Lage vor Ort informieren.

Bei allen Handlungen, die wir derzeit setzen, ist Hirn einschalten und die Rücksichtnahme auf andere Menschen gefragt. Die Natur bietet sowieso genug Raum, um mit Abstand eine gute Zeit zu verbringen.

Schon die Anfahrt aus Österreich über den Tagliamento und den berühmten Schmetterlingsort Bordano liefert neue Eindrücke, die Giro d’Italia-Fans besonders verzücken. Gleich nach Bordano Richtung Interneppo auf der Strada Provinciale 36 sind die italienischen Rad-Ikonen auf der sogenannten mythologischen Mauer von den Malern Giuseppe Brombin und Floreano „Jan“ Franzil verewigt worden.

Ein paar Augenblicke später biegt man schon rechts ab und fährt noch ein Stück zum kleinen Parkplatz. Hier beginnt eine wunderschöne Wanderung auf den Monte Festa. Oben erwartet die Wanderinnen und Wanderer eine militärische Festung.

Diese Wanderung bringt nicht nur faszinierende und hinreißende Rundum-Ausblicke auf Tolmezzo, den Lago di Cavazzo, den Tagliamento, einen kleinen Teil der Dolomiten, den Monte Zoncolan, die friulianische Küstenebene und das Meer. Es ist auch eine Erinnerung an schlimme Zeiten, die noch nicht so lange her sind.

Bilder: So schön ist Wandern in der Carnia

Dass nun schon so lange Zeit Frieden in dieser einst erbittert umkämpften Region herrscht, ist schön. Aber der Krieg ist auf dem Monte Festa greifbar. Die Ruinen, die Tunnels und Höhlen, die Batterien und die Informationstafeln auf dem Weg und am Gipfel sind ein umfassendes Mahnmal, dass Frieden nichts Selbstverständliches ist.

Umso schöner ist es, als uns ein Mann aus der Umgebung von Udine mit den Worten „Thank you for your visit!“ begrüßt. Der erste Aufenthalt im Friaul nach dem Corona-Lockdown wirkt befreiend. Wer hätte vor ein paar Monaten gedacht, dass die Grenzen zu unseren Nachbarländern wegen eines Virus dicht gemacht werden könnten?

Seltener Besuch eines Apollofalters – Bordano ist nicht weit

Der Wanderweg CAI 838, der eine gut befestigte und recht breite Militärstraße ist, ist ausreichend beschildert. Bis zur Festung wird eine Gehzeit von zwei Stunden und 40 Minuten veranschlagt. Rund 930 Höhenmeter und rund acht Kilometer geht es nach oben. Je nach Kondition dauert es kürzer oder länger. Auch Fotopausen sollten bei all diesen Perspektiven eingeplant werden. Bei sonnigem Wetter empfiehlt sich ein früher Aufbruch.

Doch nicht nur die unzähligen Ausblicke nach nah und fern machen diese Wanderung attraktiv. Es ist auch die Natur, die hier unmittelbar zu erleben ist. Klar, das kann man von jeder Wanderung behaupten.

Aber es gibt nicht immer diesen großen Glücksmoment, einen in Europa vom Aussterben bedrohten und sehr seltenen Roten Apollo oder Apollofalter aus nächster Nähe zu sehen. Wer mehr über Schmetterlinge erfahren möchte, sollte sich die Zeit nehmen und einen Besuch im Haus der Schmetterlinge von Bordano einplanen.

Auch die Blumen wie Wildrosen oder Storchschnäbel, die den Wegesrand veredeln, riechen herrlich und erfreuen die Augen. Die Straße selbst bietet einen Erlebniswert, wenn Serpentinen in Tunnels zu durchgehen sind.

Auf einem Plateau unter dem Gipfel tauchen plötzlich die Ruinen aus dem Ersten Weltkrieg auf. Die Gebäude auf diesem Fleck waren einst Kaserne und Soldatenunterkunft. Auf einer Mauer sind Einschusslöcher zu sehen. Ein zugleich anziehungskräftiger wie auch gespenstischer Ort. Jetzt kämpft hier nur mehr die Natur, die sich ihren Raum zurückerobert.

(Kriegs-)Geschichte wird greifbar

Nach wenigen Minuten erreicht man dann das „Forte del Monte Festa“. Der Weg ist zum Schluss hin sehr steil, oben angekommen wird man für die Strapazen mit wunderschönen Ausblicken, die sogar bis zur Adria reichen, belohnt. Die historische Anlage sorgt jedoch auch für Nachdenklichkeit.

An diesem Ort verteidigten sich die Italiener gegen die deutsch-österreichische Invasion. In der Nacht vom 5. zum 6. November 1917 kam es zum Angriff, die rund 200 Mann auf italienischer Seite leisteten Widerstand mit nur einem verfügbaren Maschinengewehr.

Um den Gegner zu täuschen, wurde das Maschinengewehr an verschiedenen Orten eingesetzt. Als die Munitionsvorräte zu Ende waren und eine Vereinigung mit dem italienischen Heer nicht möglich war, kapitulierten sie. Über die Geschichte des Ersten Weltkrieges in dieser Region kann man hier ausführlicher nachlesen.

Heute können Wanderinnen und Wanderer sich die ehemaligen Kriegsanlagen friedlich betrachten. Jetzt sind wir Freunde mit nachbarlicher Wertschätzung und freuen uns über die „Senza Confini“-Idee in der Alpe Adria Region.

Nach dem Abstieg zurück zum Parkplatz machten wir Halt in Cavazzo Carnico. Den kulinarischen Hochgenuss im Borgo Poscolle hatten wir uns verdient.

Fazit einer außergewöhnlichen Wanderung auf den Monte Festa: Das ist ein Fest für die Sinne in der wunderbaren Carnia.

Nützliche Links im Überblick:

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Alle Infos zu Friaul-Julisch Venetien (Friuli Venezia Giulia) auf der offiziellen Website (deutsch)

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Historische Informationen zur Festung auf dem Monte Festa

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