Am Kreuzbergl wird die Natur zum Atelier

Auf dem Kreuzbergl in Klagenfurt entsteht seit über drei Monaten ein Naturkunstwerk, das bei vielen Menschen auf Interesse stößt.

Das Landart-Projekt zum Thema „Alte und neue Mythen – Naturgötter und mythologische Erzählungen“ von Manfred Stippich lässt immer wieder Spaziergängerinnen und Spaziergänger auf der Straße zum Schweizerhaus innehalten. Mit Abstand natürlich. Spaziergänge in der Natur sind in diesem Herbst und den hohen Corona-Infektionszahlen wichtig für Körper und Seele.

Die unterschiedlichen Fantasiewesen und die große grüne Spinne haben Anziehungskraft und sind auch wunderschöne Foto-Motive. Den Künstler, den man immer wieder bei der Arbeit an seinem Kunstwerk beobachten kann, freut die Aufmerksamkeit, die die Installation auf sich zieht: „Vermutlich bin ich jetzt während des Lockdowns der Kärntner Künstler mit den meisten Besuchern, so kommt es mir zumindest vor.“

Im Gespräch erklärt Stippich seine künstlerische Intention: „Ich versuche, meine Installationen für Jedermann und jede Frau so offen wie möglich zu halten und auf mehreren Ebenen Anknüpfungspunkte für individuelle Sichtweisen und Lesarten anzubieten.“

Video: Waldgeister am Klagenfurter Kreuzbergl

Ein Anliegen ist ihm, dass die Hemmschwelle für Menschen sinkt, die sich in Kunstfragen nicht so gut auskennen. Das merkt man, wenn Menschen stehen bleiben und sich mit dem Künstler unterhalten. Er nimmt sich Zeit, beantwortet Fragen, stellt Fragen zurück und regt so die Betrachterinnen und Betrachter zum Nachdenken an.

Mittlerweile zirkulieren laut Stippich schon mehrere Deutungen dieser Installation. Die drei häufigsten sind: „Ein Erntedank-Opferritual der Mayas zu Ehren der drei wichtigsten Götter der Maya, dem Maisgott Naal, Chaak, dem Gott des Regens und der Fruchtbarkeit sowie Kinich Ahau, dem Sonnengott.

Bei der zweiten Deutung gehen mit dem Virus infizierte Personen zum Altar um das Virus „abzugeben“ und von einem Schamanen geheilt zu werden.

Die dritte Version der zirkulierenden Deutungen sieht in der Installation eine Darstellung der derzeit am weitesten verbreiteten Verschwörungserzählung mit Bill Gates in der Mitte, der das Virus in einem Labor gezielt herstellen ließ, um in der Folge alle Menschen durch Zwangsimpfungen (siehe Maisspritzen in den Händen) zu verchippen und zwei weiteren verbündeten Böslingen: Der rechte Strippenzieher könnte George Soros sein, der als jüdischer Milliardär für diese Rolle immer hervorragend geeignet ist und die linke Gestalt, vielleicht die hausgemachte Hexe Angela Merkel.

Eine Art Virus im Kopf also, das sich in der gespenstischen Geisterwelt des Internet schneller verbreitet als das Virus selbst und uns zeigt, dass unser vermeintlich rationales Denken nur eine sehr dünne Schicht ist, unter der weiterhin Gefühlslagen, Antriebe und zumeist unbewusste Antriebe ihr Unwesen treiben, die das aufgeklärte Weltbild jederzeit leicht zum Einsturz bringen können.“

Bilder: Natur-Atelier am Kreuzbergl

Diese drei Deutungen zeigen, wie unterschiedlich Menschen Kunst wahrnehmen und interpretieren können. Für Stippich soll aber auch offen bleiben, ob die Betrachterinnen und Betrachter überhaupt etwas in seine Kunstwerke „hineininterpretieren“ müssen: „Es geht letztendlich um die Frage, ob das Kunstwerk gefällt oder nicht!“

Außer Zweifel steht, dass die mythischen Gestalten und keltischen Zeichen aus Naturmaterialien am Kreuzbergl noch länger zu bestaunen sein werden: „Ich bekomme seitens der Stadt eine Verlängerung hinsichtlich der behördlichen Bewilligung des Projektes am gleichen Standort bis Ende des nächsten Jahres sowie einer Erweiterung meines „Open-Air-Ateliers“ um eine zusätzliche Fläche in unmittelbarer Nähe“, so der Künstler.

Kreuzbergl als öffentlicher Kunstraum

Manfred Stippichs Ideenreichtum scheint unerschöpflich: „Dort wird es dann nicht mehr nur um Naturgötter und Mythen gehen, sondern dort habe ich vor, voneinander unabhängige Installationen zu unterschiedlichen Themen zu kreieren, wie zum Beispiel einen alternativen Christbaum aus Birkenstämmen inmitten einer Art alpinem Zengarten, eine urige Interpretation der Lindwurmsage mit Fundobjekten aus dem Wald, einen großen Mund aus roten Weidenästen und ein Indianer-Tipi aus Schilf.“

Landart-Künstler Manfred Stippich verwirklicht im Natur-Atelier am Kreuzbergl seine wunderbaren Ideen.

Auch andere Künstlerinnen und Künstler will der Landart-Gestalter animieren, die Naturarena am Kreuzbergl für Arbeiten zu begeistern: „Ich werde versuchen, Subventionen beziehungsweise Sponsorgelder für einen Landart-Kunstwettbewerb am Kreuzbergl zu bekommen, damit auch andere Kärntner Künstlerinnen und Künstler an verschiedenen Standorten weitere Landart-Kunstwerke realisieren können und zwar so, dass sie dafür auch ein angemessenes Honorar bekommen.“

Ein schöner Gedanke. So könnte das beliebte Klagenfurter Naherholungsgebiet neben Lauf-, Wander- und Spazierwegen um einen öffentlichen Kunstraum erweitert werden, der neben Körper und Seele auch noch den Geist stärkt.

Update: Der Landart-Park am Kreuzbergl wächst, so ist ein Vogelmann hinzugekommen, ein „Vogelrestaurant“ ist geplant.

SüdSehnSucht-Tipp:

Auf das Kreuzbergl spazieren gehen, die Natur und die Ausblicke auf Klagenfurt, die Karawanken, die Petzen genießen und beim Landart-Projekt von Manfred Stippich vorbeischauen. Dort gibt es immer wieder Neues zu entdecken.

Nützliche Links im Überblick:

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Alle Infos zur Tourismusregion Klagenfurt auf dem offiziellen Tourismusportal

Alle SüdSehnSucht-Storys zum Landart-Projekt am Kreuzbergl

Alle SüdSehnSucht-Storys zu Klagenfurt
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