Wenn der Traum vom Fliegen wahr wird

Es gibt Momente im Leben, da wird man von außen angestupst.

Es war bei der Siegerehrung des Final Four des diesjährigen Karawanken Cups, als mir Murmalan-Ehrenpräsident Sigi Harter für meine Pressedienste einen Gutschein in die Hand drückte.

Ein Tandemfallschirmsprung sollte es sein, zusammen mit Tandem-Master und Karawanken Cup Sieger Roland Zoff vom 1. Kärntner Fallschirmspringer Club. Ich hatte in der Sekunde der Übergabe eigentlich ein mulmiges Gefühl, dachte mir aber: Das mache ich.

Die Monate seit dem Jänner vergingen und plötzlich war der 14. Juli 2019 da. Der Tandem-Master hatte das traditionelle Flugfest auf der Glainacher Wiese in Ferlach auserkoren, um den Traum vom Fliegen wahr werden zu lassen.

Ein Tag ganz normal wie jeder andere. Nur mit dem Umstand, dass ein Sprung aus einem Flugzeug aus 4.000 Metern Höhe bevorstand. „Schwindelfrei sein“, ist dafür nicht nötig, hatte der Tandem-Master in einem Gespräch ein paar Wochen vor dem Sprung gemeint. Er sei selbst nicht schwindelfrei. Das war irgendwie beruhigend.

Innerlich angespannt, aber nach außen cool. So komme ich beim Flugfest an. Roland Zoff hatte schon einen Sprung an diesem Tag absolviert und packt gerade wieder den Fallschirm nach allen Sicherheitsregeln zusammen. Die Einweisung beruhigt mich. Und das Faktum, dass mein Fluggastgeber bisher knapp 3.500 Sprünge gemacht hat.

Das Abenteuer beginnt mit dem Einstieg ins Flugzeug

Nach dem Start auf der Glainacher Wiese steigt die Pilatus Porter PC-6 auf 4.000 Meter. In rund 25 Minuten wird die Absprunghöhe erreicht. Im Flugzeug ist es kuschelig, schließlich wollen auch noch andere „Waghalsige“ ihren ersten Sprung erleben. Ein Teilnehmer springt sogar aus 6.000 Metern ab. Ich sitze mit meinem Master direkt bei der Türe.

Im Flugzeug erfolgt die Verbindung für das Leben, um das einmal so auszudrücken. Roland Zoff „kettet“ mich an sich. Dafür muss ich mich auf seinen Schoß setzen. Er macht jede Handlung sehr gewissenhaft und routiniert. Und immer mit einem herzhaften Lachen. Er gibt seinem Fluggast in jeder Sekunde ein gutes Gefühl. Er zeigt immer wieder die erreichte Flughöhe auf seinem Höhenmesser an. Damit man sich innerlich auf den Absprung vorbereiten kann.

Video: Alles Gute kommt von oben

Eine Minute noch. Einer der anderen Tandem-Master im Flugzeug deutet das mit seinem Zeigefinger an. Dann ertönt ein Hupsignal. Es ist soweit. Die Türe geht auf und ich muss meine Beine irgendwie ins Freie bekommen. Das ist gar nicht so einfach, denn der Wind ist sehr stark. Unter uns das Nichts. Ein Wolkenmeer bedeckt das Rosental. Ich lege den Kopf auf die Schulter des Fallschirm-Trägers, strecke das Becken hinaus und winkle die Beine ab, wie bei der Einweisung besprochen.

Dann ist der Moment da, an dem ich erneut von außen angestupst werde. Der Tandem-Master gibt den letzten Ruck. Und dann geht die Post ab. In zehn Sekunden beschleunigen wir von 0 auf 200 km/h. Das wirkt surreal. Es ist wie in einem Traum, in dem man fliegt. Mit dem Unterschied, dass der Traum in diesen Augenblicken wahr wird.

Gedanklich frei wie ein Vogel

Ich kann mich an keinen einzigen Gedanken erinnern. Nur dass alles was gerade passiert, komplett überwältigend ist. Der Tandem-Master zieht den Bremsfallschirm, um den Flug zu stabilisieren. Wir tauchen ins Wolkenmeer ein und plötzlich – von einer Zehntelsekunde auf die andere – sind Ferlach, das Rosental und die umliegenden Berge zu sehen. Dieser Moment ist für mein restliches Leben in meinem Hirn eingebrannt.

Nach einer Minute im freien Fall zieht Roland Zoff den Fallschirm, nun hängt man mit den Beinen nach unten an seiner menschlichen Lebensversicherung. Das geschieht auf der Höhe von 1.500 Metern.

„And sometimes is seen a strange spot in the sky
A human being that was given to fly

Eddie Vedder – Pearl Jam

Plötzlich sagt der Master, ich solle die Hände in die roten Schlaufen geben. Als er mit beiden Händen winkt, realisiere ich, dass ich den Schirm steuere. Das nennt man Urvertrauen…

Nach einer Anweisung ziehe ich die rechte Schlaufe nach unten. Mit der linken Hand lasse ich die Schlaufe nach oben. Wir kippen in eine starke Rotation. Mir wird extrem schwindlig und bitte den Profi hinter mir, wieder das Steuer zu übernehmen.

Bilder: Der Traum vom Fliegen

Unter uns kommt das Flugfeld der Glainacher Wiese immer näher. Roland Zoff steuert den Schirm gekonnt Richtung Landebahn. Kurz vor der Landung muss man die Beine anwinkeln, die Hände in die Kniekehle geben und dann die Beine ausstrecken. Wir schaffen eine sanfte Punktlandung. Der erste Eindruck nach der erfolgten Landung: Mein Patenkind und die Tochter des Tandem-Masters stürmen auf uns zu und empfangen uns herzlich. Die totale Erleichterung tritt ein, ein paar Minuten später dann die Euphorie. Das Adrenalin wirkt.

Ich danke Roland Zoff und dem gesamten Team des 1. Kärntner Fallschirmspringer Clubs, die an diesem Tag auf der Glainacher Wiese ihre Arbeit gemacht haben und mit mir im Flugzeug gewesen sind, aus tiefstem Herzen für dieses Erlebnis. Und nun: Fly Me To The Moon!…

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